Zeichnen lernen

Jeder kann Zeichnen lernen, auch Du :-). Ich liebe es mit Farbstiften zu zeichnen. Farbstifte können überall mitgenommen werden, und benötigen wenig zusätzliche Materialien, um sich entfalten zu können. Keine Materialschlacht also!

Viele Menschen schrecken aber als Erwachsene davor zurück, wieder Farbstifte in die Hand zu nehmen. Wie häufig höre ich: "Ich kann nicht zeichnen!" Dabei kann diese scheinbar schwierige Aufgabe mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung leicht überwunden werden. Es braucht also den ersten mutigen Schritt des Versuchens, eine kurze Anleitung und dann kann es losgehen. Und je häufiger, man sich hinsetzt, je besser wird man, beim Beobachten und bei der Umsetzung! Ja, auch Du kannst Zeichnen lernen.

Ich möchte Dich also ermuntern Dein Umfeld und Deine Umwelt mit Farbstiften zu erfassen. Solltest Du lieber vom Foto zeichnen wollen, empfehle ich Dir den Beitrag "Ein Bild abzeichnen und abpausen". Dieser Blogartikel ist ein guter Einstieg in das Zeichnen lernen mit Hilfe von Fotos.

Zeichnen lernen fängt mit dem Beobachten an

Zeichnen am Objekt hat also sehr viel mit richtig beobachten zu tun. Du sollst das zeichnen, was Du siehst, und nicht das was Du verinnerlicht hast. Dabei helfen Dir meine 5-Schritte zur Zeichnung: 

  1. 1
    Den Umriss zeichnen
  2. 2
    Größenordnungen abklären
  3. 3
    Formen abgleichen
  4. 4
    Schatten und Licht setzen
  5. 5
    Farblichkeiten definieren

Um Dir die Schritte konkret zu erläutern, habe ich meinen geliebten Teddy-Bären gebeten, Modell zu stehen. Er ist sehr geduldig und bewegt sich nicht. Eine wichtige Eigenschaft für ein Modell! Es versteht sich von selbst, dass meine Schritt-für-Schritt-Anleitung sich auch auf andere Objekte und Figuren übertragen lässt.

1. Den Umriss zeichnen

Das ist das, was den meisten am Einfachsten fällt. Bei unserem Bären müssen wir die Ohren zeigen, kleine Schultern, die zwei Füsse und schon haben wir die ersten Schritte gemacht. Versuche dabei abzuklären, was auf gleicher Höhe ist. Z.B. siehst Du, dass in unseren Fall die Ohren, durch die Stellung des Bären NICHT auf gleicher Höhe sind. Das vordere Ohr endet unten auf Höhe des linken Auges. Benutze hierzu Deinen Bleistift, kneife ein Auge zu, und versuche unterschiedliche Punkte zu vergleichen. Ich benutze den Bleistift auch, um Neigungen zu übertragen: das kannst Du hier gut bei den zwei Hinterbeinen machen, ich lege meinen Bleistift an den Beinen an. Diese Neigung kommt auch aufs Papier.

So solltest Du einen ersten Umriss bekommen. Die nächsten zwei Schritte werden dazu führen, dass Du diese Skizze verbessern wirst.

2. Größenordnungen abklären

Bevor Du anfangen kannst, die anderen Teile im Bären zu platzieren, solltest Du sicherstellen, dass die Grössenordnungen passen. Die gelbe Linien sind zum Beispiele beide gleich lang. Somit ist der Bär von der Spitze bis zum Schritt gleich hoch, wie die Pfoten voneinander entfernt sind. Das gleiche gilt für die Breite des Kopfes, im Vergleich zur Höhe zwischen der Schnauze und der Stirn. Auch hier benutzt Du wieder Deinen Bleistift, den Du vor Dir mit der Hand ausstreckst, um die verschiedenen Maße miteinander zu vergleichen.

Du wirst nicht immer gleich große Distanzen finden. Vielleicht findest Du Distanzen, die halb so lang sind? Es geht also um den Vergleich von Distanzen bei unserem Bären. Wenn eine Distanz fast gleich ist, dann ist dies auch eine Information, die Dir hilft, Deine Zeichnung zu verbessern.

3. Formen abgleichen

Je mehr Details Du auf das Papier bringst je, schwieriger wird es, diese Vergleiche anzustellen. Glücklicherweise gibt es noch eine andere Methode, um besser beobachten und dann besser zeichnen zu können. Der Trick hier ist es, Formen im Objekt zu suchen und diese auf Deine Zeichnung zu übertragen. Willst Du zum Beispiel, den Arm des Teddies zeichnen, so siehst Du das die Form fast wie ein Rhombus aussieht. Das kannst Du auf das Papier übertragen. Oder die Form unter der Schleife gleicht einem Dreieck (oder eher einem Hundekopf finde ich!). Diese Formen helfen Dir, die anderen Teile im Bild zu zeichnen aber auch den Umriss zu korrigieren. So merkst Du vielleicht, dass Du die Oberpfote zu groß gezeichnet hattest. 

Nun solltest Du eine fertige Zeichnung (eines Teddybären) vor Dir haben. Was fehlt sind natürlich die Farben und Schattierungen. Das sind die nächsten zwei Schritte. 

4. Farben und Licht setzen

Damit der Bär drei-dimensional wirkt, also wirklich als realistisches Bild wahrgenommen wird, muss Du Schatten und Licht in Deine Zeichnung setzen. Die einfachste Methode ist es, die Augen zusammenzukneifen und genau hinzusehen, wo die dunklen und die hellen Stellen im Bild sind. Vergiss nicht auch die Stellen neben dem Objekt zu beobachten: der Bär in unserem Fall wirft einen Schatten auf den Tisch. Dieser Schatten verankert den Bären auf dem Tisch und verhindert, dass dieser auf dem Papier schwebt. 

Falls Du dies als schwierig empfindest, gibt es auch Apps. Fotografiere den Bären (wie ich es hier gemacht habe), und die App zeigt Dir die verschiedenen Schattierungen im Bild. Du kannst bei diesem Schritt entweder weiter mit dem Bleistift arbeiten oder Du setzt die unterschiedlichen Dunkelheiten mit Farbstiften an. Alle Lichtpunkte sollten leer und somit weiß bleiben. Auch bei den anderen Punkten. Da ich den Bären abends fotografiert habe und dieser auch keine glatte Oberfläche besitzt, gibt es in diesem Bild keine wirklichen Lichtpunkte, allerdings sieht man gut, dass die linke Hälfte heller als die rechte ist. Die dunkelsten Stellen neben den Augen sind hier der Schritt, der Hals und der rechte Oberkörper. Getraue Dich und mache diese Bereiche dunkel.

5. Farblichkeiten definieren

Wenn Du nur eine schwarz-weiß Zeichnungen erstellen willst, brauchst Du diesen Schritt nicht. Eventuell setzt Du noch Strukturen auf Dein Objekt (die Fellstruktur oder das Karo der Schleife). Das ist für mich der schönste Teil beim Zeichnen. Langsam werden die unterschiedlichen Farben aufs Papier gebracht.

Ich fange meist mit den hellsten Farben an. Sehr häufig entspricht die Farbe des Buntstiftes nicht genau der Farbe des Objektes. Also musst Du die Farbe langsam anmischen. Wichtig ist dabei den Farbton richtig zu erfassen: handelt es sich um einen kalten oder warmen Ton? Bei der Zitrone ist der Gelbton eher kühl. Hier solltest Du also keine Brauntöne untermischen. Hier sind Blautöne besser geeignet, um die Farbe abzutönen. 

Meist ist unter der Farbe noch eine zweite oder dritte Farbe zu "sehen". Unser Bär ist vorerst natürlich weiß, aber sein Fell besitzt im Schatten braune, wie auch bläuliche Farblichkeiten. Fange immer zart an, und lagere Farbe über Farbe. Das hilft natürlich um auch die Struktur der Oberfläche besser darzustellen. So können wir das Fell des Bären besser darstellen. Wichtig ist auch die Schleife, die hier die Persönlichkeit des Bären unterstreicht.

Nun hast Du eine erste Anleitung an die Hand bekommen, um Zeichnen zu lernen. Im Video anbei, zeige ich Dir in der Praxis, wie dies aussehen kann.

Zeichnen Lernen - Umsetzen des Gelernten

Ich hoffe, dass es Dir nach dem Lesen richtig in den Fingern brennt. Du willst diese Anleitung in die Praxis umsetzen! Schön, denn alles was es braucht solltest Du zu Hause haben!

Materialien

  • 1-3 Bleistifte:
    wahrscheinlich besitzt Du zu Hause einen HB-Bleistift. Dieser ist Mittel-hart und eignet sich perfekt, um zu skizzieren. Damit kannst Du die Schritte 1-3 durchführen
    später lohnt es sich einen 3B und 6B zuzulegen: damit kannst Du Dein Bild schattieren (Schritt 4)
  • Buntstifte:
    auch hier benutze was Du zuhause hast. Allerdings gibt es bei den Stiften große qualitative Unterschiede. Hast Du Lust bekommen mehr zu zeichnen, so investiere in höherwertige Farbstifte. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie mehr Farbpigmente besitzen und sich unter einander besser vermischen lassen.
  • Zeichenpapier:
    auch da kannst Du anfangs natürlich auf Kopierpapier zugreifen. Aber eine richtiges Skizzenbuch macht mehr Spaß. So kannst Du Deine Entwicklung gut verfolgen. Ab einer Grammatur von 120gsm bist Du dabei. 
  • Radiergummi: 
    die Radiergummi, die wir aus der Schule kennen, sind leider sehr hart und hinterlassen gerne Spuren. Ich empfehle Dir deshalb einen Knetgummi. Dieser ist sehr günstig zu erwerben und sehr langlebig.
    Ich besitze noch einen Mono-Radiergummi, um kleinste Stellen ausradieren zu können.
  • Spitzer: 
    Auch hier: was Du zu Hause hast, wird Anfangs mehr als genug ausreichen!
  • Stifterweiterung:
    Unsere Großeltern hatten alle einen. In der Zwischenzeit werfen wir kleine Stiftstumpen einfach weg: muss nicht sein. Mit Hilfe von Stifterweiterung wird Dir das Halten auch kleinster Stifte leichter gemacht.

Zeichenideen

Klassischerweise werden Objekte gerne herangezogen, um mit Buntstiften zu zeichnen. Von den alten Meistern sehen wir, welche Objekte bevorzugt wurden:

  • Früchte und Gemüse
  • Andere Naturmaterialien (Muscheln, Federn, Steine, etc.)
  • Blumen
  • Spielsachen
  • Gesichter
  • Figuren
  • Architektur
  • Landschaften

Fange mit einfachen Motiven an. Bevor Du Dich an Gesichter oder Architektur heranwagst, lerne mehr über den Gesichtsaufbau oder über die Perspektive. Das gibt Dir noch zusätzliche Hilfsmittel zur Hand.

Weiterführende Informationen

Es hat Dich gepackt? Du magst noch mehr in die Materie eintauchen? Ich kann Dir nur empfehlen, Dir weitere Blogs, Videos zum Thema anzusehen. 

Als Buch kann ich Dir empfehlen: Meisterschule Zeichnen, 48 Lektionen zum Selbststudium von Bert Dodson. 

Viel Spaß beim Zeichnen! Und vergiss nicht: Zeichnen lernen ist ein lebenslanger Prozess. Verzweifle nicht, wenn es nicht sofort klappt.