Linoldruck

Linoldruck erlebt eine Renaissance: mit einfachen Mitteln kann jedeR persönliche Karten oder Einladungen in kleinen Druckauflagen auch zu Hause erzeugen.

Was ist Linoldruck?

Ähnlich wie Holzdruck ist Linoleumdruck auch ein Hochdruckverfahren: dabei wird die Fläche die höher liegt, eingefärbt und auf das Papier übertragen. Da Linoleum erst seit ca. 150 existiert, ist Linolschnittkunst erst im letzten Jahrhundert zu finden. Die bekanntesten Künstler sind Henri Matisse, M. C. Escher und Pablo Picasso, die entweder einfärbige oder mehrfarbige Kunstdrucke erzeugt haben. Linolschnitt Künstler lieben den leicht plakativen und vereinfachenden flächigen Farbaufdruck der Linolplatte.

Was ist eine Linolplatte?

Die Linolplatte ist leicht porös (um die Farbe besser aufzunehmen), ist aber in der Oberfläche als homogen zu bezeichnen. Das ist ein wichtiger Unterschied zum Holzschnitt, der starke Maserungen aufweist.

Klassisch besteht Linoleum auf Leinöl, Korkmehl und hat Jutestoff als Trägermaterial. Alternative werden für den Hochdruck Kunststoff-Kautschuk-Platten (ähnlich dem Radiergummi-Material) eingesetzt. Diese Alternativen eignen sich insbesondere für kleinere Motive.

Welche Materialien und Werkzeuge benötigst Du für den Linoldruck?

Was braucht man für den Linoldruck?, fragst Du Dich. Wenn Du Dir die Überschriften dieses Artikels ansiehst, kann schnell der Eindruck entstehen, dass man sehr viel braucht. Ich empfehle Dir immer mit dem Minimum anzufangen: einer Linolplatte und Schnitzwerkzeug. Alles andere kannst Du nach und nach zulegen. Hier also eine umfassende Liste, die nur als Richtwert gelten soll.

Linolplatten

Linoldruckplatten sind das wichtigste Material. Die Linolschnitt Platten gibt es von klein (ca. A6) bis groß (90x130cm). In den letzten Jahrzehnten hat sich die Qualität der Platten drastisch verbessert. Vorbei sind die Zeiten, wo die Platte mit viel Kraft verarbeitet werden muss. Die Linoldruckplatten gibt es in unterschiedlichen Farben und Größen. Die Porosität bestimmt auch wie gut eine Linolplatte die Farbe bindet und dann auf das Papier überträgt. Zudem haben die Platten unterschiedliche Dichten: manche sind weicher als andere. Dies kann vor allem bei großen Projekten relevant sein. Darum ist es wichtig hier die verschiedenen Platten zu testen und nicht die erstbeste Platte zu kaufen.

Reine Vinylplatten sind sehr weich und können bei kleinen Motiven als Stempel eingesetzt werden. Dieser Mangel an Widerstand, kann aber gleichzeitig auch ein Nachteil sein, da man auf der Fläche schnell „ausrutscht“ und es dabei zu Fehlern kommt.  

Radiergummi eignen sich gut für kleine Projekte. Diese lassen sich zuschneiden und schnitzen und sind schöne Testprojekte. Ansonsten können Pappe oder Moosgummi auf Motiv ausgeschnitten und dann auf Karton aufgezogen werden. So kann günstig ein ähnlicher Effekt wie beim Linoldruck erzeugt werden.

Linolschnitz-Werkzeug

Das wichtigste Linolschnitt-Werkzeug sind Schnitzmesser in unterschiedlichen Größen und Formen. Für Anfänger empfiehlt es sich, ein Set bestehend aus einem Schraubhalter und verschiedenen Klingen zuzulegen. Mit mehr Erfahrung lohnt sich der Kauf von teureren Schnitzmessern, die widerstandsfähiger sind. Dabei benötigt man mindestens zwei Typen: ein Konturenmesser in V-Form und ein Flachausheber in U-Form. Damit Dein Linolschnittwerkzeug scharf bleibt (das verringert die Verletzungsgefahr) empfehle ich Dir noch einen Schärfstein zu kaufen oder eine Diamantschleifplatte. So hast Du lange Freude an Deinen Schnitzmessern.

Linolschnitt Weihnachtskarte

Weihnachtskarte auf Japanpapier

Linoldruck Papier

Bei der Auswahl des Papiers solltest Du auf drei Aspekte achten:

  1. Welche Struktur soll das Papier haben? 
    Die Oberflächenstruktur des Papiers bestimmt auch das Druckbild. Je glatter die Oberfläche, je glatter auch die Druckfläche auf dem Papier. Allerdings werden diese Oberflächen häufig eingestrichen und nehmen die Farbe entsprechend weniger auf.

  2. Wie dick kann das Papier werden?
    Je geringer die Grammatur des Papiers je flexibler und je mehr werden alle Details erfasst. Allerdings kann die fehlende Steifigkeit beim Positionieren des Papiers ein Nachteil sein. Wird von Hand gedruckt, sollte das Papier nicht mehr als 250g/m2 schwer sein, da das Andrucken auf die Linolplatte sehr schwierig ist. Dickere Papiere sollten nur mit einer Druckpresse eingesetzt werden.

  3. Wie teuer darf das Papier sein?
    Da Linoldruck meist genutzt wird, um mehrere Abzüge zu machen, ist der Papierpreis insbesondere bei größeren Auflagen sehr wichtig. Da der erste Abdruck meist schlecht ist, können erste Testdrucke auf Zeitungspapier, Papierreste, etc. erfolgen. Besonders günstig (wenn auch sehr dünn) sind Japanische und Chinesische Papiere.

Alternativ zu Papier kann z.B. auch Polyesterfolie oder Stoff eingesetzt werden. Für Linolschnitt auf Stoff bedarf es spezieller Farben. Auch saugen Textilien viel Farbe auf.

Linoldruckfarben

Die klassische Linoldruckfarbe ist ein bisschen dickflüssiger und trocknet langsam. Meistens ist diese wasserlöslich. Linoldruck mit Acrylfarbe durchzuführen lohnt sich nur bei kleinen Motiven (z.B. auf Radiergummis oder auf Moosgummi). Der Farbauftrag ist so schnell, dass die Farbe keine Zeit hat einzutrocknen.

Auch bei Linolschnitt-Farben gibt es unterschiedliche Preisklassen und Qualitäten. Bei Künstlerfarben ist eine bessere Mischbarkeit und höhere Lichtechtheit gegeben. Allerdings lassen sich Bastel-Linolfarben mit Handdruck besser und satter auftragen, was für Anfänger einen großen Vorteil bedeutet.

Welche Farbe eignet sich für Linoldruck? Eigentlich jede Farbe, die auf Papier aufgetragen werden kann, die nicht sofort eintrocknet und die auch auf der  Linoleumoberfläche haften bleibt. Wer keine Spezialfarben kaufen möchte, kann seine Acrylfarben mit einem Printing Medium (gibt es von Daler Rowney) bzw. Trocknungsverzögerer mischen oder es einfach mit ein paar Tropfen Spülmittel versuchen. Diese Lösungen sind anfangs, wenn man die Technik testen möchte, ideal, aber sehr schnell stößt man damit an Grenzen.

Druckmaschinen

Da die meisten keine Druckmaschinen besitzen, wird dieses Thema hier nur angeschnitten. Bei Interesse bieten Kunstakademien und Volkshochschulen Kurse an, in denen mit den Linoldruckpressen gearbeitet wird. Für Papiere bis ca. A3 gibt es Druckpressen für den Linoldruck. Hier wird mit großem Druck Papier und Linolplatte in der Presse zusammengepresst. Weitere Maschinen stehen für den Linoldruck zur Verfügung. Bei der Zylinderpresse wird z.B. das Papier auf eine Rolle aufgezogen und die Rolle mit Druck auf die Linolplatte gerollt.

Linoldruck Material

Materialien für den Handdruck

Weitere Linolschnitt Materialien

Damit ist es aber noch nicht getan. Insbesondere wenn man von Hand drucken will, sind zusätzliche Materialien notwendig.

Für die Farbübertragung auf die Platte benötigt man:

  • Farbwalze
  • Glasscheibe oder Plastikplatte zum Auswalzen der Farbe
  • Palettenmesser zum Anmischen der Farbe

Der Handdruck kann mit Hilfe eines Suppenlöffels erfolgen oder mit Hilfe einer Andruckrolle oder einem Handreiber.

Wie kann ich mit dem Linolschnitt und -druck starten?

Für den Start ist ein kleiner und günstiger Linoldruck Starterset eine gute Investition. Linoldruck-Sets beinhalten meist Linoldruckfarbe, eine Platte, Linoldruckwerkzeug sowie eine Walze. Meist reicht das Linolschnitt Set nur für ein Druck. Und es bleibt Farbe übrig. Es kann sich also lohnen, alle Teile einzeln zu kaufen und sich dafür mehrere Linolplatten zu kaufen.

Anleitung für den Linoldruck

Das Wichtigste ist die Vorbereitung des Arbeitsplatzes. Linoldruck braucht Platz, viel Platz. Denn durch die verzögerte Trocknungszeit der Linolfarbe müssen die Papiere einzeln abgelegt oder aufgehängt werden.

Auch ist zu empfehlen die drei Arbeitsschritte räumlich zu trennen:

  1. Beim Linolschnitt entsteht viel Abfall. Das entfernte Linoleum erzeugt viel Dreck und sollte nicht auf die Farbe geraten, um Verschmutzungen zu verhindern.
  2. Das Aufwalzen der Farbe ist ein wichtiger Schritt, beim dem der Drucker nicht nur die Mischung der Farbe, sondern auch die Menge auf der Walze definiert: zu viel und die Einkerbungen werden mit Farbe befüllt, zu wenig und der Farbauftrag wird fleckig.
  3. Beim Andrucken sollten die Hände und der Arbeitsplatz sauber sein. Fingerabdrücke und Farbflecken können ein Werk kaputtmachen.

Wie macht man einen Linolschnitt?

Beim Linolschnitt wird die Linolplatte geschnitzt. Linien und Flächen werden aus der Platte entfernt, um Motive zu kreieren. Dabei sollte beachtet werden, dass die Platte durch den Druck gespiegelt wird. Hat das Motiv eine Richtung (z.B. bei Wörtern, Buchstaben), dann sollte das Motiv gespiegelt auf die Fläche übertragen werden. Dafür kann mit Hilfe von Transparentpapier das Motiv abgepaust werden, und dann durch eine Lage Abpauspapier das gedrehte Transparentpapier und sein Motiv auf die Linolschnittplatte übertragen werden.

Ansonsten kann mit Bleistift direkt auf die Platte skizziert werden. Ganz Mutige schnitzen ohne Vorgabe einfach drauflos!

Mit einem schmalen Konturenmesser werden die Umrisse des Motives gekennzeichnet. Im Anschluss werden die Negativflächen mit einem U-förmigen Messer entfernt: entlang der Schnittfläche und wenn möglich immer in eine Richtung.

Linolschnitt Platte

Aufwälzen der Farbe

Anfängern wird empfohlen mit einer Farbe zu beginnen. Schwarz eignet sich gut, da Fehler später gut sichtbar sind. Es gilt vorerst darum die Farbe auf dem Glas oder in der Plastikwanne zu verteilen, um die Walze gleichmäßig mit Farbe zu ummanteln. Mit Übung merkt man wieviel Farbe sich idealerweise auf der Walze befindet. Die Menge hängt vom Motiv, von der Platte und vom Papier ab. Hier macht Übung den Meister.

Mit der Erfahrung können eigene Farben angemischt, oder Ombré-Effekte erzeugt werden. Hier ist ein Palettenmesser sehr hilfreich.

Handandruck

Das Druckpapier sollte größer als die Druckplatte sein. Um die Position des Drucks auf dem Papier nicht dem Zufall zu überlassen, empfiehlt es sich den Druckplatz vorzubereiten. Dafür werden die Papiergröße und die Position der Platte auf dem Arbeitsplatz angezeichnet. Anlegehilfen sind bei mehreren Drucken oder beim verlorenen Druck unbedingt notwendig. Dabei wird eine Ecke des Papiers mit Karton oder Linolresten umrandet. Das Gleiche wird diagonal dazu für die Linolplatte gemacht. So können sauber positioniert Drucke erzeugt werden.

Durch leichtes Befeuchten des Papiers wird der Farbübertrag verbessert und das Endresultat wird satter. Hier reicht ein Spritzer mit einem Wassersprüher. Auf dem Papier sollten keine Wasserpfützen entstehen, weil sonst die Farbe verläuft. Hier heißt es wieder: ausprobieren und üben!

Wenn Platte und Papier übereinandergelegt wurden, sollte der Druck verstärkt und gleichmäßig verteilt werden. Dies kann mit einem Löffel, einer Andruckrolle oder mit Handreiber erfolgen.

Linolschnitttechniken

Einfarbige Drucke sind ein guter Einstieg für den Anfänger. Entweder werden Motive aus dem Internet herangezogen, oder eigene kreiert. Hier liegt die Herausforderung beim Einteilen des Bildes in hell und dunkel. Wie umgehen mit den verschiedenen Schattierungen? Durch Schaffen von Strukturen können unterschiedliche Tonalitäten erzeugt werden.

Dabei muss man sich vor dem Druck entscheiden, was eingefärbt werden soll. Bei Buchstaben z.B. kann man den Buchstaben stehen lassen und aufdrucken, oder die Buchstabenform wird entfernt und die farbige Umgebung lässt den Buchstaben hell erleuchten. Entsprechend spricht man von Schwarzdruck (Positivdruck) oder Weißdruck (Negativdruck).

Durch die Einführung mehrere Farben wird vermeintlich die Übertragung von Bildern auf Papier vereinfacht, aber trotzdem wird durch den Druck die Farbpalette vereinfacht, und der Einsatz von Mustern und Strukturen wird weiterhin empfohlen, damit die Bilder nicht zu plakativ wirken.

Dabei steht dem Drucker zwei Optionen:

  • Mehrere Linolplatten: Es wird für jede Farbe eine eigene Linolplatte eingesetzt. Diese können sich teilweise überlagern (was insbesondere bei transparenten und semi-transparenten Farben zu tollen Effekten führt) oder können auf unabhängige Flächen verteilt werden, was aber schnell unsauber wirken kann.
  • Eine Platte: Hier wird zwischen jeden Druck ein Teil der Platte entfernt und dann mit einer neuen Farbe eingestrichen. Somit kann nicht mehr auf den früheren Abdruck zurückgegriffen werden. Diese Technik wird deshalb Verlorener Druck oder Verlorene Platte genannt. Hier muss also vor jedem Linolschnitt überlegt werden, was noch benötigt wird.
Linoldruck - verlorene Platte

Beispiel einer verlorenen Platte - die vorangegangen Drucke sind nicht mehr zu erzeugen

Und nun?

Zum Abschluss werden Linoldrucke mit einem spitzen Bleistift beschriftet:

  • die Nummer innerhalb der Auflage im Vergleich zum Gesamtdruck, wobei beide Zahlen mit einem Querstrich getrennt werden (z.B. 4/10) kommt in die untere, linke Ecke
  • Signatur und Jahreszahl kommen in die untere, rechte Ecke

Linoldruck macht viel Spaß! Anfangs sind einige Materialien zu erwerben. Die weiteren Kosten halten sich aber in Grenzen.

Es ist eine tolle Methode, um Zuhause Karten in vielfacher Ausführung zu erstellen. Es ist auch eine erschwinglichere Kunstform, da KünstlerInnen den Preis über die Anzahl der Drucke definieren können. Auch benutze ich gerne Linoldrucke in meinen Art Journals, entweder als Stempelersatz, oder um schöne Motive aufs Papier zu bringen.

Ich hoffe, ich konnte Dich inspirieren, einen ersten Schritt in Richtung Linoldruck zu gehen!
Deine Karli