Gesicht zeichnen – Tipps und Tricks

Gesicht zeichnen

Ein Gesicht zeichnen

Wer möchte nicht ein Gesicht zeichnen können? Gerne wollen wir das Portrait eines Familienmitglieds zeichnen, den Kopf einer bekannten Persönlichkeit skizzieren oder einfach ein schönes Frauengesicht malen. Gesichter bleiben aber ein anspruchsvolles Motiv: sofort erkennen wir intuitiv Fehler in den Proportionen, denn wir haben in unserem Leben bereits so viele Gesichter angeschaut. Mit diesem Blogbeitrag möchte ich Dir verschiedene Tipps in die Hand geben, so dass Du unterschiedliche Gesichter zeichnen lernst. Wenn Du aber langsam anfangen möchtest, darfst Du auch gerne Hilfsmittel zu Hand nehmen!
Hier wird es vorerst darum gehen, die Gesichtsform zu zeichnen und die Proportionen zu kennen. Dann widmen wir uns den unterschiedlichen Teilen: Augen, Nase, Mund und Ohren. Wir besprechen im Anschluss Spezialfälle beim Zeichnen. Es gibt also viel zu besprechen, so lass uns anfangen!  

Kopf zeichnen

Wir fangen mit dem Zeichnen der Kopfform an. Vereinfacht können wir für die Gesichtsform ein Oval zeichnen. Durch das Einzeichnen von Hilfslinien und der Proportionen erleichterst Du Dir das spätere Portrait zeichnen. Obwohl unsere Gesichtshälften niemals gleich aussehen, hilft es Dir Dein Oval mit zwei Mittellinien zu halbieren: auf der einen Linie werden die Augen zu finden sein, auf der zweiten befindet sich die Nase. Die Augen sind meist kleiner als Du sie zeichnen möchtest. Wenn Du die Mittellinie bei den Augen durch fünf teilst bekommst Du ungefähr die Breite der Augen und auch bereits ihre richtige Position.

Des Weiteren solltest Du die lange Mittellinie zwischen den Augen und dem Kinn halbieren und nochmals vierteln. So bekommst Du den untersten Rand der Nase, sowie den unteren Teil der Unterlippe. Beim Skizzieren eines Gesichtes solltest Du aber nicht die Ohren und den Hals vergessen. Die Ohren fangen auf Höhe der Brauen an, um ca. mit der Nase aufzuhören. Der Hals fängt in der Verlängerung der Ohren an und wird oft auch zu schmal gezeichnet.

Ich empfehle Dir diese erste Skizze des Gesichts mit einem harten Bleistift (HB und härter) aber nur leicht anzuzeichnen.

Wenn Du diese Gesichtsproportionen kennst, wird es Dir leichter fallen, ein Portrait zu zeichnen. Aber das ist erst der erste Schritt. Wenn Du mit einem Foto arbeitest, empfehle ich Dir einen Raster über Dein Gesicht zu legen und so weiter zu zeichnen. Wenn aber eine reale Person für Dein Porträt Modell steht, muss Du eher mit anderen Tricks arbeiten. Wichtig ist, dass Du die Verhältnisse im Gesicht immer wieder kontrollierst.

Kopf zeichnen Schritt für Schritt

Du hast die Kopfform und die wichtigsten Teile eingezeichnet. Dein gezeichnetes Gesicht wird aber erst vollständig und realistisch, wenn Du Schatten anbringst. Alles was im Gesicht weiter entfernt ist, wird dunkler schattiert, die Lichtpunkte im Gesicht (meist auf der Nasenspitze, auf dem Kinn und auf der Stirn) sollten aber weiß oder zumindest hellgrau bleiben. Denk darüber nach, woher das Licht kommt und wo es Schatten wirft.

Du bekommst nun detaillierte Schritt für Schritt Anleitungen, um Dein Portrait fertig zu stellen, indem Du bei jedem Element mehr ins Detail gehst. 

Augen zeichnen lernen

Mit den Augen bekommt Dein Gesicht eine Seele. Der Augapfel befindet sich in der Augenhöhle und somit liegt ein großer Teil des Auges im Schatten. Vom eigentlichen Auge sieht man nur den Teil, der von den Augenlidern freigegeben wird. Damit ist die Augenform mandelförmig, wobei es eine kleine Wölbung beim Tränenpünktchen gibt. Dabei wird ein Teil der Iris (der farbige Teil des Auges) und der Pupille freigelegt. Auch die Falten (insbesondere im Oberlid) um Dein Auge, machen es realistischer.

Das solltest Du bei den Augen vermeiden:

  • Die Augen sind meist zu groß
  • Die Iris wird rund und unbedeckt gezeichnet. So scheint das Gesicht erstaunt zu sein.
  • Die Iris ist monoton und ohne Farbabstufungen. Dabei ist insbesondere der Rand meist dunkler als der Rest der Iris.
  • Die Pupillen bewegen sich immer gemeinsam. Beim Zeichnen werden diese jedoch nicht immer in der gleichen Position im Auge eingezeichnet. So entsteht gerne der Eindruck des Schielens.
  • Der Lichtpunkt in der Pupille wird nie vergessen, allerdings wird kein Schatten unter dem Oberlid gesetzt. Auch der Lidrand (der meist heller ist) wird nicht angezeigt.
  • Die Wimpern werden zu stark gezeichnet. Insbesondere bei Männern solltest Du die Wimpern nur leicht anzeichnen. Meist sind die unteren Wimpern nicht sichtbar. Dicke Wimpern erzeugen den Eindruck des Geschminkt seins.

Bleistiftzeichnung eines Auges (mit HB, 3B und 5B)

Bleistiftzeichnung eines Mundes mit Schatten und Licht

Lippen zeichnen

Wenn die Augen die Seele sind, so sind die Lippen das individuelle Element des Gesichts. Je näher die Lippen der Realität sind, umso mehr wird Dein Portrait der Person ähnlich sehen.

Dabei gibt es viele unterschiedliche Formen. Es fängt mit den Konturen an: handelt es sich um schmale oder üppige Lippen? Die Form ähnelt die einer Mandel, die in der oberen Hälfte eine Einkerbung hat. Neben den Konturen ist die Mittellinie sehr individuell. Diese ist selten gerade, sondern sieht eher wie ein liegendes M aus.

Was allen gemeinsam ist, ist dass es in der Mitte mehr Schatten gibt und die untere Lippe mehr Licht bekommt und somit heller ist als der Rest des Mundes. Grundsätzlich werden Lippen häufig zu dunkel gemalt, was vielleicht bei geschminkten Mündern angebracht ist. Unsere Lippen sind natürlicherweise nicht viel dunkler als andere Stellen im Gesicht. Wenn Du also nicht sicher bist, solltest Du die Lippen eher heller machen. Der größte Schatten befindet sich unter der Unterlippe.

Mehr Realismus erreichst Du auch über das Zeichnen von Falten (im Mund oder um den Mund) und wenn Du die Stelle zwischen der Nase und dem Amorbogen (die geschwungene Einbuchtung der Oberlippe) richtig schattierst.

Die Nase von vorne zeichnen

Dasses große und kleine Nasen gibt, wissen wir alle. Aber von vorne ist die Form nur angedeutet zu sehen. Bis auf die Nasenlöcher, musst Du die Nasenform vor allem mit Hilfe von Schattierungen andeuten. Der Schatten unter der Nase ist ein guter Startpunkt, um die Nase klar zu positionieren. Dieser ist V-förmig und folgt der Form des Amorbogens. Von dort aus sind links und rechts die zwei Nasenlöcher (wie zwei Kommas) zu zeichnen.

Nun kannst Du mit der Schattierung anfangen. Der hellste Teil (der am meisten vorsteht) ist der Nasenknorpel. Insbesondere der untere Teil ist sehr hell. Die Nase wird oben von den Augenhöhlen abgeschlossen. Diese Stelle ist nach den Nasenlöchern die dunkelste Stelle der Nase. Du schließt die Zeichnung mit Schatten rechts und links des Nasenrückens ab.

Bleistiftzeichnung einer Nase von vorne

Detailzeichnung eines Ohres

Ein Ohr zeichnen

Gerne werden die Ohren vergessen und nicht gezeichnet. Das liegt wohl daran, dass die Form im Detail sehr anspruchsvoll ist. Dabei werden diese häufig von Haaren leicht verdeckt und diese sind für das Erkennen eines Gesichtes nicht so wichtig. Ein Gesicht ohne Ohren sieht jedoch falsch aus, und diese sollten zumindest angedeutet werden. Dabei reicht es das Ohrläppchen zu zeichnen, um zumindest eine Andeutung zu haben.

Gewisse Kopfstellungen machen es aber notwendig, zumindest ein Ohr zu zeichnen. Die Form entspricht einem großem D. Dabei gibt es drei dunkle Stellen: eine direkt unter dem äußeren Ohrmuschelrand, eine beim Gehörgang und eine über der vorderen Einbuchtung. Lass Dich aber davon nicht ablenken: fokussiere den Zuschauer auf die Augen und den Mund. Denn auch wenn Ohren sehr individuell sind, und in unterschiedlichsten Formen vorkommen, solltest Du eher wenige Details im Bild zeichnen und diese nur leicht andeuten.

Das Gesicht von der Seite zeichnen

Die Proportionen ändern sich durch das Drehen des Kopfes nicht! Die Form ändert sich jedoch und ist nicht mehr oval. Es setzt sich auch einem Kreis zusammen und einem Rechteck (für das Kinn). Hier ist der Hals sehr wichtig. Dieser geht schräg nach hinten, bevor dieser bei der Brust abflacht.

Erfahrungsgemäß wird das Gesicht viel zu groß, im Vergleich zum behaarten Teil des Kopfes gezeichnet. Unterschätze also den Hinterkopf nicht. Dieser ist schön rund und steht stark vom hinteren Teil des Halses ab.

Die vordere Kontur unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Eine gute Übung ist es, anfangs Profilbilder aus Zeitschriften nachzuzeichnen. Das hilft Dir, die wichtigsten Einbuchtungen einzuprägen: kurz vor der Nasenwurzel und unter der Unterlippe. Hilfslinien unterstützen Dich dabei, die unterschiedlichen Winkel im Gesicht richtig einzuzeichnen.

Kopf zeichnen Profil

Unterschiedliche Gesichtsausdrücke zeichnen           

Um zu wissen, wie Du unterschiedliche Gesichtsausdrucken zeichnen kannst, musst Du verstehen, was passiert, wenn wir traurig, lustig oder wütend sind.

  • Wenn wir traurig sind, heben wir die innere Augenbraue, ziehen wir die Augenbrauen zusammen und die Mundwinkel runter. Manchmal können wir auch Tränen dabei vergießen und unsere Augen richten sich nach unten. Wenn Du also ein trauriges Gesicht zeichnen möchtest, kannst Du genau diese Züge übertreiben, um den Eindruck von Trauer anzuzeigen.
  • Bei Freude heben wir die Wangen und die Mundwinkel. Dabei vergrößern sich auch die Augen und die Pupillen. Am einfachsten ist es mit Hilfe eines bereits lächelnden Porträts anzufangen. Findest Du aber nichts Adäquates, so kannst Du diese Eigenschaften im Gesicht leicht andeuten.

Lachende Gesichter zu zeichnen ist anspruchsvoll, da Zähne auf einem Porträt sehr schnell falsch erscheinen. Hier solltest Du darauf achten, diese nicht zu hell zu lassen (diese befinden sich im Schatten des Mundes).

Besonderheiten

Alles was hier dargestellt wurde bezieht sich auf ein „Durchschnittsgesicht“. Aber gibt es so was? Natürlich nicht. Kinder haben z.B. weniger Falten als ältere Menschen. Auch wachsen Nasen und Ohren immer weiter, so dass diese bei Senioren entsprechend größer sind. Lass uns also auch kurz über die wichtigsten Unterschiede sprechen.

Das Gesicht einer Frau zeichnen       

Im Vergleich zu den oben genannten Proportionen gibt es einige Unterschiede zwischen Frauen und Männern:

Mann

Frau

Markante, kantige Züge

Weichere Züge

Augen liegen leicht über der Mitte des Kopfes

Augen liegen in der Mitte des Kopfes

Ausgeprägte Nase

Schmalere Nase

Grösserer Mund und Augenbrauen

Kleinerer Mund und Augenbrauen

Dickerer Hals (mit Adamsapfel)

Schmaler Hals

Behaarung um den Mund möglich

 

Selten geschminkt

Häufiger geschminkt. die Lippen sind dunkler, die Wimpern start unterstrichen und die Augen gerne eingefärbt (Lidstrich, Lidschatten, etc.)

Kinder malen  

Kinder haben verhältnismäßig größere Augen und größere Gesichter als Erwachsene. Auch ist ihre Nase klein und vergleichsweise wenig ausgeprägt. Die Augen befinden sich unter der Mitte des Kopfes. Alle Formen sind rund und es sind nur sehr wenig Falten zu sehen. Diese Eigenschaften können auch in erwachsene Gesichter übertragen werden, um das Gefühl von Freundlichkeit, Unschuld und Gesundheit zu erzeugen.

Dein Selbstportrait zeichnen

Natürlich kannst du Dich selbst von einem Foto abzeichnen. Nimm Dir alle Empfehlungen aus dem Blogbeitrag zu Herzen, und Du wirst gute Resultate erzielen. Allerdings verzerren Fotos Gesichter, sodass es sich lohnt, echte Modelle vor sich zu haben, um schöne Zeichnungen zu erzielen. Und ein Modell, das Dir immer zur Verfügung steht, bist Du! Wie kannst Du am Besten vorgehen? Fange mit einem Porträt in Frontalansicht an. Das ist für Dich am einfachsten. Stelle ein Spiegel vor Dich. Wichtig ist es, dass Du Dein Blatt sehen kannst, ohne Dein Gesicht zu bewegen

Nimm auch ein Foto von Dir im Spiegel auf. Wechsle beim Zeichnen zwischen dem Spiegelbild und dem Foto. So wirst Du die besten Resultate erzielen. Benutze Dein Foto, um die Schattierungen zu setzen, und Dein Spiegelbild, um die Proportionen richtig hinzukriegen. Viel Spaß!

Wie weiter?

Üben, üben, üben. Je mehr Gesichter Du zeichnest, je besser wirst Du werden. Am Anfang traue Dich die unterschiedlichsten Tricks zu nutzen, um selbstsicherer zu werden.  

Ich habe auf Youtube einige Videos, in denen ich Gesichter zeichne oder male. Dort findest Du auch weitere Anregungen.

Ansonsten kann ich Dir auch den Kurs „Finde Dein Gesicht“ empfehle. Dort kannst Du Ideen bekommen, wie Du Deine eigenen Gesichter entwickeln kannst. Nach und nach werden Dir mit einfachen Übungen unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt, wie Du Deinen eigenen Stil beim Malen von Gesichtern entwickeln kannst.