Ein Bullet Journal gestalten


Was ist ein Bullet Journal?

Bullet Journal (auch liebevoll BuJo genannt) steht für ein Journal (Tagebuch) und für Bullet (das Aufzählungszeichen), die hier in unterschiedlicher Form zum Einsatz kommen.

Um den Nutzen der Bullet Journals besser zu verstehen, ist ihre Geschichte nicht ganz unwichtig. Der Amerikaner Ryder Carroll litt an ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom). Er suchte nach einer Methode, die ihm helfen sollte, seine Lernprobleme besser in den Griff zu bekommen. Dabei setzte er auf Ideen aus dem Selbstmanagement-Bereich aber auch auf Achtsamkeit und Selbstreflektion und entwickelte daraus die Bullet Journaling Methode.

Bullet Journals können sehr vieles sein

  • Sie helfen das eigene Leben besser zu strukturieren, im Sinne einer Agenda.
  • Sie werden im Sinne eines Journals benutzt, um das eigene Leben zu erfassen und das Erlebte emotional besser zu verarbeiten.
  • Bullet Journals können als Art Journals bezeichnet werden. Verschiedene Designs und schönes Lettering werden eingesetzt, um die Bujo gestalterisch zu verschönern.

Obwohl Ryder Carroll in Österreich aufgewachsen ist und fließend Deutsch spricht, sind Bullet Journals erst seit 1-2 Jahren im deutschen Raum angekommen. Schade, denn sie bieten eine Vielzahl an spannenden Einsatzgebieten.

Eine Wochenübersicht im Bullet Journal

Was macht ein Bullet Journal aus?

Eigentlich zeichnet Bullet Journals drei Punkte aus:

  1. die schnelle Erfassung von Gedanken, to-dos - auch Rapid Logging genannt
  2. die Sammlung (Collection) von Informationen - diese werden thematisch strukturiert
  3. die Migration - mit Hilfe der Bullet Journal Keys (siehe nächster Abschnitt) können offene Aufgaben schnell erfasst und dann auf die nächste Seite, die nächste Periode verschoben werden.

Alles erfolgt auf einer weißen Seite, die je nach Bedarf unterschiedlich viele Informationen erfassen kann. Dank eines Indexes am Anfang des Bujos können die relevanten Informationen jederzeit wiedergefunden werden.

Somit passt sich das System den Bedürfnissen des Benutzers an. Das macht es zu einem einmaligen und beliebten System.

Der Bullet Journal Key

Der Bullet Journal Key

Key steht hier für Schlüssel im Sinne einer Legende. Mit unterschiedlichen Zeichen oder Icons werden Aktivitäten, von Verabredungen und Ereignissen unterschieden. Zudem wird ihr Reifegrad (also wie weit diese schon voran geschritten sind) verfolgt. Es gibt also nicht nur eine Kennzeichnung "erledigt" oder "offen", wie bei der einfachen To-Do-Liste, sondern es können z.B. der prozentuelle Erledigungsgrad angegeben werden. Es gibt immer neue Bullet Journal Keys, wie z.B. wie wichtig die Aktivität ist, oder ob ein Event abgesagt wurde, etc.

Der Bullet Journal Key ist etwas sehr Persönliches. Dieser kann immer weiterentwickelt werden und passt sich den Bedürfnissen des Users an. Der Schlüssel bekommt dabei meist eine eigene Seite und befindet sich meist am Anfang eines BuJos.

Dein Bullet Journal als Kalender

Wie Anfangs erwähnt, helfen Bullet Journals Struktur in die vielen Aktivitäten und To Dos zu bringen. Dabei sind Bullet Journal Kalender ein wichtiger Teil im Journal. Meist fängt das Bullet Journal mit einer Jahresübersicht an, die dann in eine Monatsübersicht übergeht. Am Ende werden alle Aktionen und To Dos in Wochenübersichten (ein sogenanntes Bullet Journal Weekly) eingetragen. Evtl. werden sogar Tagesübersichten kreiert. Das ist aber eher eine Ausnahme.

Alle Übersichten verteilen sich auf einer Doppelseite. Diese werden aber nach und nach eingetragen, was ein wichtiger Unterschied zu einem gekauften Kalender ist. Die Verteilung der Übersichten passt sich somit der Menge an Informationen an, die zurzeit gemanagt werden.

Monatsübersicht im Bullet Journal

Die verschiedenen Tracker

Ein Bullet Journal Tracker nutzt man, um den Überblick über seine unterschiedlichen Ziele und Gewohnheiten zu behalten. Tracken bedeutet auf Englisch „verfolgen“. Somit ist ein Bullet Journal Tracker ein Zieleverfolger. Dabei werden unterschiedlichste Aspekte aufgenommen.

Es können Habits – also Gewohnheiten - verfolgt werden. Habit Tracker decken meist gesundheitliche Aspekte ab. Z.B. erfasst man, wie viel man getrunken hat, ob man Sport betreibt oder sich gesund ernährt. Habit Tracker sind ein großartiges Tool, um gesetzte Ziele besser zu verfolgen. Sie können positiver Verstärker sein. Allerdings erzeugen sie gleichzeitig einen großen Druck, wenn die Ziele nicht erreicht werden.

Als Spezialfall der Habit Trackers können auch Lese-, Film-, Musiklisten verstanden werden. Hier werden die verschiedenen Bücher, Konzerte, Filme aufgelistet, die im Laufe des Jahres genossen werden. Eine schöne Erinnerung am Ende des Jahres, die zudem darstellt, wie viel man wirklich gelesen hat!

Ein weiterer wichtiger Tracker ist der Bullet Journal Mood Tracker. Mood steht für Stimmung, und entsprechend wird verfolgt, wie sich die Stimmung über die Zeit verändert. Natürlich kann „gute Stimmung“ ein persönliches Ziel sein, aber hier liegt der Schwerpunkt eindeutig auf Selbstfürsorge und auf der Analyse des Erlebten und der persönlichen Gemütslage. Mood tracking ist somit auch ein wichtiges Tool im klassischen Journaling.

Beispiel eines Habit Trackers

Weitere Bullet Journal Ideen

Wie anfangs erwähnt, kann ein Bullet Journal aber viel mehr sein als ein Kalender oder ein Journal. Eine besondere Aufgabe der Jahresübersicht ist der Future Log (=Zukunftserfassung). Dieser enthält einen Überblick der Geburtstage, Jubiläen, Urlaube, also aller Termine, die im Jahr geplant sind. Mit Hilfe des Future Logs kannst Du Dein Jahr planen. So strukturierst Du, wie Deine Ziele und Aufgaben am Besten über das ganze Jahr hinaus geplant werden können.

Eigentlich gibt es 1001 Ideen, für die Dein Bullet Journal genutzt werden kann. Das Bild zeigt einen klassischen Brain Dump (Wort wörtlich eine Gehirnablage). Dieses hilft Dir, eine Idee nicht zu vergessen? Dafür ist ein Brain Dump ideal. Du nimmst eine frische Seite in Deinem Journal und notierst alle wichtigen Punkte. Damit kannst Du zu einem späteren Zeitpunkt damit arbeiten. Und dies fühlt sich sehr befreiend an!

Wenn Dein Ziel im Bullet Journal eine Strukturierung des Lebens ist, dann kommen andere Ideen für Dich in Frage. Z.B. kannst Du klassische Einkaufslisten anlegen, Dein Monatsbudget erfassen oder Deine Reiseplanung aufschreiben.

Top 10 Listen sind auch eine spannende Idee. Dabei werden Fragen beantwortet wie:

  1. Bücher - welche Bücher möchtest Du lesen?
  2. Bucket List: Liste an Erlebnissen, die man sich für sein Leben vorgenommen hat
  3. Liste der Personen, mit denen ich gerne mal essen würde

Dies stellt natürlich nur eine eingeschränkte Auswahl an Top Ten Ideen für Dein Bullet Journal dar.

Willst du Dein Bullet Journal eher zur Selbstfindung nutzen, so gehören Seiten mit den Zielen und Wünschen unbedingt dazu. Auch finden Dankbarkeits-Rituale in Deinem Bullet Journal einen guten Platz. Hier ist die Grenze zum Journal fließend.

Weitere Gestaltungsideen im Bullet Journal

Die Gestaltung Deines Bullet Journals

Du fragst Dich vielleicht noch, warum die Bullet Journals so beliebt geworden sind. Ein wichtiger Grund ist die kreative Gestaltungsfreiheit, die die Methode gibt. Und somit lohnt es sich auch über die wunderschönen Bullet Journals zu sprechen. Denn diese entwickeln sich schnell zu kleinen Kunstwerken.

Wie bereits erwähnt, die Methode ist sehr flexibel. Zum Start kannst Du ein blankes Journal beschriften. Und dann kannst Du schon loslegen. Aber es gibt eine Vielzahl an spannenden Umsetzungen:

  • Minimalversion – Du schreibst wie Dir der Schnabel gewachsen ist. Ist die Doppelseite voll, werden offene Punkte auf die nächste freie Seite übertragen. Alles wird mit irgendeinem Stift eingetragen
  • Lettering – Der Schwerpunkt liegt in der Schrift. Hier wird alles sehr genau vorhergeplant und mit schönen Schriften mit Hand Lettering verziert. Perfekte Stifte sind hier ein Muss.
  • Scrapbook – Das Bullet Journal wird mit Bildern ergänzt und verfolgt fast schon eine Journalidee. Das Leben wird so dokumentiert.
  • Künstlerisch – Bunt, kreativ, in diesem Bullet Journal Typ wird zwar das Leben auch erfasst, aber diese Form ist Sketchbook, Art Journal und Planner zugleich. Farben werden großzügig genutzt.

Produkte für das Bullet Journaling

Die Anzahl an Materialien hängt von der Form Deines Bullet Journaling ab:

  • Minimalversion - Du nimmst ein Notizbuch (Größe A5) zuhand, und benutzt die Stifte, die Du gerade bei der Hand hast
  • Lettering - ein gepunktetes Notizbuch in A5, ein Pigmentstift in 0.8 und 0.1, Brushpens (Stifte mit einer Pinselspitze) in Deinen Lieblingsfarben (z.B. Zig Clean Color Real Brush, Tombow Dual Brushpen), damit kannst Du schon loslegen. Achtung! Es kommt schnell zum Bluten. Teste Deine Stifte, bevor Du diese in Deinem Bullet Journal einsetzt. Weitere Stifte, die sich gut für das Hand Lettering im BuJo eignen, sind der Brush Sign Pen von Pentel und Gel Pens in unterschiedlichen Farben.
  • Scrapbook – auch hier reicht ein blankes oder gepunktetes Notizbuch mit festerem Papier in A5 oder A4, Stifte (siehe Lettering), Stickers, Washi Tape, Stencils, Uhu Stick und optional ein kleiner Fotodrucker, um jederzeit Bilder einkleben zu können.
  • Künstlerisch – Material-mäßig ist man hier sehr nahe beim Scrapbooking. Da aber wahrscheinlich noch mehr mit Farbe gearbeitet wird, sollte das Papier eine Grammatur von mind. 180g/m2 haben und blank sein.

Design im Bullet Journal

Welches Bullet Journal soll es sein?

Wie im vorherigen Kapitel erwähnt, ist die Materialauswahl abhängig vom bevorzugten Bullet Journaling Stil. Mehrheitlich benutzen wir im deutschsprachigen Raum eine Mischung aus Minimalistisch und Lettering. Somit werden wir uns mit klassischen Notizbüchern beschäftigen. Für künstlerischere Optionen empfehle ich den Beitrag zum Thema Art Journals

Ein klassisches Bulletjournal hat eine A5-Größe, ist gepunktet und lässt sich mit einem Elastikband abschließen. Die beliebtesten Notizbücher zum Bullet Journaling sind von Leuchturm 1917. Dies ist eigentlich überraschend, da diese relativ dünn und durchscheinend sind. Damit wird der Einsatz von farbigen Markern auf der Rückseite sichtbar. Alternativ dazu sind Notizbücher wie Moleskine, Midori und Archer & Olive zu nennen.

Bevor es ans Kaufen Deines Bullet Journal geht, solltest Du auf folgende Details achten:

  • Wie dünn ist das Papier? Wichtig, wenn Du mehr als nur mit einem einfachen Stift schreiben möchtest.
  • Sind die Seiten nummeriert, um Deinen Index adäquat führen zu können?
  • Gibt es eine Lasche am Einband, um Deinen Lieblingsstift immer beim Notizbuch zu haben? Und passt Dein Stift hinein, ohne herauszufallen?
  • Sind die Seiten perforiert, sodass Du diese (falls sie Dir nicht mehr gefallen) leicht herausreißen kann?
  • Hat das Journal ein Lesezeichen oder gar zwei? So findest Du immer Deine aktuellen Einträge.
  • Wie sichtbar sind die Punkte? Stört mich ihre Farbe?
  • Gibt es eine Tasche im Einband, um Fotos, Erinnerungsstücke und ähnliches zu sammeln? Wichtig für Scrapbooker
  • Wie viele vorgedruckte Seiten gibt es? Benötige ich diese? Fehlen mir welche?

Von Interesse für Dich könnte auch mein Blog zum Thema "welches Journal" sein.

Hilfreich: Stempel im Bullet Journaling

Alternativen

Vielleicht hast Du keine Lust Dir Gedanken zur Struktur Deines Bullet Journals zu machen. Oder Du traust Deiner eigenen Schrift nicht. Keine Panik, für Dich gibt es gute Alternativen:

  • Vorlagen – diese werden meist im Internet als Download angeboten. Diese kannst Du dannam Drucker ausdrucken.
  • Stempel - in der Zwischenzeit gibt es für fast alles (Kalender, todos, etc.) schöne Stempel. Die Auswahl ist aber geringer als bei den Vorlagen
  • Schablonen - Du magst nicht nachdenken oder abmessen? Mit Hilfe von Schablonen werden selbst gestaltete Seiten kinderleicht!
  • Apps - dazu gibt es einfache elektronische Notizbücher, oder spezielle Bullet Journaling Apps, die Dir den Einstieg ins Bullet Journaling erleichtern.

Abschlusswort

Das Thema hat Dich gepackt? Du möchtest noch mehr darüber erfahren? Dann kann ich Dir das Buch des Methoden-Erfinders ans Herz legen:

Hier bekommst Du weitere Details und Ideen, wie Du Dein ganz persönliches Bullet Journal gestalten kannst.

Viel Vergnügen beim Bullet Journaling!