Wie kannst Du ein Buch selbst erstellen und binden?


Ein eigenes Buch, Journal oder Notizbuch zu gestalten und zu binden, ist ein sehr befriedigender Prozess. Als Geschenk oder als Sammlung der persönlichen Kreativität, die Gestaltung erfreut den Ersteller wie auch die Beschenkten. Das Wunderbare ist, ein Buch kann relativ leicht selbst erstellt werden. Je nach Technik sind gar nicht so viele Materialien notwendig. Du kannst z.B. ein Bullet Journal, Tagebuch, Reisebuch binden. Der Schwerpunkt dieses Beitrags liegt bei allen möglichen Bindungen oder Verbindungsformen und weniger beim Druck. Dafür gibt es inzwischen sehr viel Anbieter, die auch Bücher in kleinen Auflagen drucken.

Anforderungen an Dein Journal

Wie kannst Du also ein eigenes Notizbuch gestalten bzw. Dein Buch binden? Die Fragen, die Du Dir stellen solltest, bevor Du anfängst, sind:

  • Wofür brauche ich dieses Buch?- bestimmt das Papier
    • Anschauen
    • Schreiben
    • Bekleben
    • Malen
  • Wie viele Seiten soll mein Journal beinhalten? -beeinflusst die Bindung
    • Heftdicke (max. 16 Seiten)
    • Buch (Mehr als 16 Seiten)
    • Das Buch soll flexibel sein (sprich ich sollte nach und nach neue Seiten dazu geben können
  • Soll mein Buch transportfähig sein? - definiert die Größe und das Cover
    • Ja, ich habe es ständig bei mir
    • Ab und zu nehme ich es mit
    • Nein

Deine Antworten solltest Du im Hinterkopf behalten, wenn Du die nächsten Kapitel durchliest, denn nicht jede Buchbindeform ist für alles geeignet. Es sind eigentlich Fragen, die Du Dir auch beim Kauf eines Notizbuches stellen solltest. Zum Beispiel solltest Du Dich für ein Hardcover oder Softcover entscheiden. Hardcover stellt den Schutz der inneren Blätter sicher. Softcover sind allerdings leichter und ermöglichen andere, flexiblere Bindemethoden. Beim Selbstgestalten wird meist die Option Hardcover bevorzugt, da damit das Werk besser geschützt ist.

Junk Journal mit einem alten Bucheinband

Papiere für Dein Journal

Eigentlich eignet sich jedes, wirklich jedes Papier für das Binden. Allerdings eignet sich nicht jedes Papier für jede Bindeform. Sobald das Papier durchstochen wird oder mit Feuchtigkeit (Farbe oder Klebestoff) in Kontakt kommt, sollte es dicker und widerstandfähiger sein.

Wenn Du Dein Journal mehrheitlich zum Anschauen benutzen willst, dann kannst Du alle möglichen Papiere in Dein Buch einbauen: Velum, Karton, Zigarettenpapier, Fahrkarten, etc. So entsteht klassischerweise ein Junkjournal. Die Papiere können unterschiedliche Größen, Dicken, Farben aufweisen. Hier ist die geschmacksvolle Zusammenstellung ausschlaggebend.

Willst Du Dein Buch zum Schreiben benutzen, dann ist es wichtig helles Papier mit wenig oder keinem Muster zu benutzen. Die eigentliche Farbe kann individuell ausgesucht werden: kalt-weiß, eierschalenbeige oder lila? Das ist eigentlich nur eine Geschmacksfarbe. Allerdings sollte das Papier nicht zu dünn sein. Ich rate von Papier das weniger als 80gsm dick ist ab. Es wäre schade die Schrift auf der Rückseite durchscheinen zu sehen. Solltest Du auch gerne Lettern und Filzstifte benutzen, dann solltest Du Papier mit 120-160gsm auswählen. So bist Du auf der sicheren Seite. Mache sicherheitshalber einen Test auf ein Testpapier, um Überraschungen zu vermeiden. Es gibt auch spezielles Papier für Alkoholstifte (wie Copic) damit diese nicht bluten.

Wenn Du Deine Seiten mehrheitlich mit einem Klebestift behandeln wirst, so ist die Dicke nicht so wichtig. Allerdings, wenn Du viele Fotos, Die-Cuts oder ähnliches benutzt, ist dickeres Fotopapier oder Scrapbook-Papier besser geeignet. Dein Papier kann problemlos lackiert oder laminiert sein.

Sobald Feuchtigkeit im Spiel ist, ist es besser, wenn Du dickeres Malpapier benutzt (ab 180gsm). Es hängt auch davon ab, ob Du Acrylfarbe oder Aquarell benutzt, da die Farben unterschiedliche Ansprüche an das Papier stellen. Da Du das Buch auf Deine Bedürfnisse „zuschneiden“ kannst, lohnt es sich hier eine gute Wahl zu treffen. Zudem kann bei Acrylfarbe das Papier schon farbig bemalt, collagiert oder eingefärbt sein. Bei Aquarell sind die Möglichkeiten eingeschränkter.

Klassische Buchbindung

Bei der klassischen Buchbindung werden die Seiten mit Leim miteinander verbunden. Die Seiten werden über die zwei äußeren Seiten (Vorsatzblätter) an den Buchdeckel verbunden. Diese Methode ist günstig und so werden in der heutigen Zeit die meisten Bücher erstellt. Allerdings ist diese nicht so widerstandsfähig. Aber wenn Du Dein Buch selbst binden willst, braucht es ein bisschen Feingefühl.

Du kannst entweder dickere Einzelblätter oder feinere Blätter (ca. 80gsm) halbieren oder feinere, zusammengenähte Bogen der gleichen Größe benutzen. Die gleiche Größe ist wichtig, denn Du versuchst nun alle Blätter auf einer Seite sehr eng zusammenzupressen. Dafür eignet sich eine Blumenpresse gut. Du lässt 1cm der Seiten, die zusammengeklebt werden müssen, herausschauen. Nun wird die Stirnseite großzügig mit Buch- oder Schulleim mit einem Pinsel bestrichen. Du wartest dann nur ab, bis alles trocken ist, und dann kannst Du dieses innere Buch mit dem Buchdeckel verbinden. In der klassischen Buchbinderei werden die Seiten miteinander zuerst zusammengenäht, bevor sie zusammengeklebt werden, aber das muss nicht sein.

Alternative Bindungen

Heftbindung

Die Heftbindung ist die meistgenutzte Bindeart, wenn einfache Journals gebunden werden. Diese Methode eignet sich gut dafür Hefte zu binden. Da die halbierten Seiten ineinandergesteckt werden, sollte das Papier nicht zu dick sein, und es sollten nicht zu viele Seiten miteinander verbunden werden. Daher solltest Du die Seitenanzahl auf max. 4-8 Seiten beschränken. Ansonsten ragen die inneren Seiten aus dem Bogen heraus und müssen dann abgeschnitten werden. Natürlich kannst Du mehrere Hefte miteinander verbinden, um so ein Buch zu erstellen.

Das Papier wird als erstes halbiert. Dazu kannst Du z.B. ein Falzbein nehmen. Die Seiten müssen nicht alle gleich groß sein. Im Falz aller Blätter werden 3 oder 5 (eine ungerade Zahl ist wichtig) Löcher mit einer Ahle oder eine Nadel im gleichen Abstand eingestochen. Dafür empfehle ich Dir eine einfache Vorlage zu bauen, die Du dann über Deinen Falz legst. Dann kannst Du mit einem eingewachsten Faden, die Blätter miteinander verbinden. Wichtig ist es den Faden auf das Papier anzupassen. Zu dünnes Papier reißt sonst sehr schnell ein. Bei der 3-Punkt-Bindung macht der Faden eine Acht. Anbei findest Du ein einfaches Video zur Heftbindung:

Bei dieser Art Hefte binden, kannst Du auch die Seiten (vor)drucken. So kannst Du ein einfaches Heft erzeugen, dass Du teilweise auch weiterverarbeiten kannst (mit Schrift und/oder Malerei)

Weitere Nahtbindung

Die Heftbindung ist nur eine der vielen Möglichkeiten, Deine Blätter zu einem Buch zusammen zu binden. Der Einfachheit halber stelle ich Dir lediglich zwei andere Methoden vor, die relativ einfach nachzuahmen sind. Der Copicstich erzeugt im Rücken des Buches ein schönes Muster. Hier wird ein Muster ähnlich dem Stricken erzeugt. Wie es genau geht siehst Du hier in dem Video: 

Die zweite Option hat ihren Reiz darin, dass sie es ermöglicht Einzelblättern zu Büchern zu binden. Zudem kann das Buch immer wieder ergänzt werden. Aber dafür sollte das Papier ein bisschen dicker sein. Ich verstärke mein Papier gerne, indem dich Washi-Tape doppellagig da anbringe, wo der Faden das Papier durchsticht. Du bringst wieder Löcher ca. 1cm vom Rand an (je mehr Löcher, je mehr Arbeit!). Benutze wieder eine Vorlage, damit jedes Blatt, die gleichen Abstände hat. Die Blätter können bei dieser Methode, wieder unterschiedlich groß sein. Dann schneidest Du Deine Fäden zu 10-15cm langen Stücken. Durch jedes Loch ziehst Du einen Faden durch. Du bindest beide Seiten eng am Papierrand mit einem Doppelknopf an. Wenn Du fertig bist, nimmst Du zwei Blätter und verbindest wieder sehr eng alle Fäden jeder Seite mit der anderen Seite, wenn Du fertig bist, wiederholst Du das mit allen Seiten! Und das schöne ist, Du kannst an alle diese losen Fäden Perlen anbringen!

Suchst Du weitere kreative und dekorative Nahtbindungsideen? Dann kann ich Dir das Buch "Bound - over 20 Artful Handmade Books" von Erica Ekrem empfehlen. Sie zeigt Dir die Vielfalt an Nähformen für selbstgestaltete Bücher.

Ring, Disc und andere zu öffnenden Bindungen

Vielleicht denkst Du Ringbindung und alle diese offenen Bindungen haben nichts mit Buchbinden zu tun. Im klassischen Sinn stimmt das. Aber wenn es Dir darum geht, Blätter zu binden, oder Ideen zu finden, wie Du ein Buch selber binden kannst, dann sollte man ein Ringbuch um Deine Notizen oder Deine Kunst selber zu binden unbedingt als Idee verfolgen. Auch hier kannst Du einzelne Blätter im PC vorbereiten, ausdrucken und dann in der offenen Bindung zusammen zu fassen. Und das Buch kann weiterwachsen!

Mögliche Bindungen sind:

  • Ringe (als Buchform oder lose)
  • Dokumenten-Klemme
  • Hefter (kann wieder entfernt werden – eignet sich aber am Besten für Hefte und schmale Bücher)
  • Disc-Bindung (oder auch Discbound)
  • Spiralbindung

Für die letzten Methoden brauchst Du besondere Geräte, die Dein Papier entsprechend lochen, aber ansonsten sind dies tolle und unkomplizierte Methoden, um ein Buch zu binden.

Heft mit Dokumenten-Klemmen als Bindungsart

Klebebindungen

Da wir über Spiralbindung und Discbound gesprochen haben, muss ich auch das Thermobinden ansprechen. Ähnlich wie bei der klassischen Buchbindung wird hier Leim benutzt, um einzelne Blätter zusammenzubinden. Dafür wird der Leim in den Falz des Bucheinbandes erhitzt, um sich mit den Blättern zu verbinden. Mit dem Abkühlen entsteht ein selbstgemachtes Heft. Dies ist insbesondere für akkurate Buchbinder geeignet, die es klassisch mögen und mit A4-Blättern zufrieden sind. Auch ist die Anschaffung des Thermobindeberäts nicht günstig.

Alternativ kannst Du mit Klebebändern oder Washitape (Achtung die Klebefähigkeit sollte mit Leim verbessert werden) arbeiten. Hier wird mit gleichgroßen Papierstücken gearbeitet. Zwei Blätter werden nebeneinandergelegt und mit einem Klebeband zusammengeklebt. Nun kann ein Blatt auf das andere umgelegt werden und der freigewordene Platz mit einem neuen Blatt befüllt werden. Du klebst wieder beider Blätter zusammen, usw. Mit schönem Washitape angeklebt, erzeugst Du ein schönes Buch.

Faltbindung

Ich mag Faltbindungen sehr, da sie wenig zusätzliche Materialien benötigen. Du faltest ein Papier (z.B. als Akkordeon), schneidest dieses an strategische Stellen ein (z.B. beim Zine in der Mitte) und schon hast Du ein schönes kleines Büchlein. Zines können zum Beispiel auch fotokopiert und somit vervielfältig werden. Eine einfache und billigere Version Bücher drucken zu lassen, gibt es nicht!

Für Ideen zum Thema Zine schaue Dir folgendes Video an:

Ideen für Deinen Bucheinband

Um Dein Buch einzubinden benötigst Du keine exklusiven Buchbinde-Materialien. Es gibt dazu ganz viele Alternativen, um Deine Bücher einzubinden:

  • Karton, dass Du dann anschließend bemalst, beklebst, etc.
  • Stoff (über Karton oder Molton bespannt)
  • Ein alter Buchrücken (die inneren Blätter entfernst Du und ersetzt diese durch Dein eigenes Papier)
  • (Faux-)Leder
  • Alltagsgegenstände (Schachteln, WC-Rolle, etc.)

Stoff hat den Vorteil, dass Du den Stoff mit Applikationen, Perlen, Stickereien uvm. verzieren kannst. Und warum nicht auch Stoff als Blattersatz einsetzen: eine wundervolle Vorlage für Stickereien und Malerei.

Wie verbindest Du jetzt Deine gebundenen Blätter und Deinen Bucheinband? In der klassischen Buchbindung wird dies durch das Ankleben der äußeren Blätter an den inneren Bucheinband erzeugt. Du kannst aber das Papier an den Buchrücken annähen, oder ein Gummiband über den Buchrücken spannen und dort immer Deine aktuellen Hefte einfügen.

Buchbinden Material

Welche Materialien Du benötigst hängt von Deiner bevorzugten Bindemethode ab.

  • Papiere
  • Nähnadel nicht zu fein
  • Nähgarn oder gewachstes Garn
  • (Ahl)
  • (Falzbein)

Wie immer empfehle ich Dir, dass zu benutzen, was Du zuhause hast. Alte Bücher haben wunderschöne Einbände, die Du als Buchrücken einsetzen kannst. Alte Papier, Stoffe, sind ein wunderbare Grundlage zum Schreiben, Malen, etc. Erst wenn Du mehr als nur 1-2 Bücher binden möchtest, lohnt es sich (nach und nach) neue Materialien zu kaufen. Auf jeden Fall hoffe ich, dass Du die eine oder andere Methode ausprobierst und die Freude an selbstgemachten Büchern für Dich entdeckt hast und Du bald ein selbstgestaltetes Buch binden wirst.