Acrylfarbe – über den richtigen Umgang mit dem Medium

Acrylfarben sind ein toller Einstieg in die Malerei. Ohne großen Vorkenntnisse und geringe Kosten können erste Werke gebastelt werden. Aber auch aus der Kunstszene sind diese nicht mehr wegzudenken. Warum ist das so? Was macht den Reiz von Acrylfarbe aus? Und was sollte man als Anfänger oder erfahrener Maler über diese Farben wissen?

Was sind Acrylfarben?

Zuerst eine erste technische Einführung in die Materie (danke Wikipedia!). Acrylfarbe (- und Acryllacke) besteht aus Pigmenten, einem Acrylbinder und Wasser (manchmal auch organischen Lösungsmitteln). Acryl ist ein Kunststoff der schnell aushärtet.  Dieser Binder ist roh weißlich und trocknet transparent aus. Dadurch sind diese Farben nach dem Trocknen dunkler als beim Auftrag. Der Reiz dieser Farben ist somit die kurze Trocknungszeit und die Wasserbasis. Im nassen Zustand lassen sich die Flecken leicht aus Kleidern und Pinsel entfernen.

Acrylfarben sind eigentlich Kunststoffe. Sind diese somit giftig? Die einfache Antwort lautet, jein! Die Toxizität ist aber weniger durch das Acryl, sondern eher über die Pigmente und Formaldehyde, die in der Farbe gelöst sind. Im Einzelfall findet sich die Information auf den Produktblättern. Als Fingerfarbe gekennzeichnete Farbe eignet sich bestens in der Arbeit mit Kindern, für die anderen Marken sollte der spezifische Hersteller kontaktiert werden.

Was ist der Unterschied zu anderen Farben?

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Ölfarben

Die Acrylmalerei hat die Kunst revolutioniert und die Ölfarben teilweise verdrängt: es sind keine langen Wartezeiten zwischen den Farbschichten notwendig. Es wird nicht mit geruchsintensiven (und teilweise gefährlichen) Lösungsmitteln hantiert. Ein einfaches Wasserglas reicht schon aus, um die Farbe geschmeidiger zu machen. Und der Maluntergrund muss nicht unbedingt vorbereitet werden. Jeder und jede kann schnell und unkompliziert damit mit dem Malen anfangen. Dies sind sicherlich die wichtigsten Vorteile zur Ölmalerei (und teilweise zur Temperafarbe).

Allerdings bedeutet die schnelle Trocknungszeiten auch, dass die Farbübergänge niemals die gleiche Qualität wie bei der Ölmalerei erreichen. Ölfarbe lässt sich lange bearbeiten und so können wunderbare Mischungen noch auf der Leinwand erzeugt werden. Da die Ölfarben langsam trocknen, können „Fehler“ einfach mit einem Tuch entfernt werden. Bei der Acrylfarbe müssen diese meist übermalt werden. Zudem härten Ölfarben auch härter aus als Acryl. Aber beide sind trocken nicht mehr wasserlöslich und sind damit wasserfest. Acryl- und Ölfarben müssen dann mit speziellen Pinselreinigern entfernt werden.

Weil Acrylfarbe schnell trocknet, ist das Anmischen der Farben weniger gängig als bei Öl- oder Wasserfarben. Entweder werden die Farben direkt aus der Tube benutzt oder schnell in kleineren Batches angesetzt. Größere Mischmengen müssen in einem luftdichten Behälter aufbewahrt werden.

Aquarellfarben

Aquarellfarben und Acryl sind beide wasserlöslich, schnelltrocknend und können auf Papier ohne Vorbereitung aufgetragen werden. Da enden aber auch die Gemeinsamkeiten. Die Aquarellmalerei arbeitet mit Schichtungen und Transparenz, während bei der Acrylmalerei, jede Farbe meist direkt so aufgetragen wird, wie man diese haben möchte. Weiß wird beim Aquarellieren durch das Weglassen von Farbe erreicht. Farbe kann auf dem Papier reaktiviert und teilweise wieder entfernt werden. Das ist ein wichtiger Unterschied zu den Acrylfarben, die getrocknet wasserfest sind.

Es gibt noch viele Produkte (wie Plakafarben von Pelikan auf Kaseinbasis), die Mischeigenschaften von Öl- und Wasserfarbe haben, die nur bedingt wasserlöslich sind und somit ähnlich wie Acryl eingesetzt werden können. Auf diese wird hier nicht eingegangen.

Letztlich muss auch angemerkt werden, dass es die Acrylmalerei (in Vergleich zur Ölmalerei oder zum Aquarellieren) erst seit 100 Jahren gibt. Langzeiterfahrungen gibt es also im Vergleich nicht.


Einsatz von Acrylfarbe mit anderen Farben

Öl-, Wasser- und Acrylfarben lassen sich nicht miteinander mischen. Aber diese können übereinander eingesetzt werden. Dabei sollten aber gewisse Regeln befolgt werden:

Zuerst Aquarell-, dann Acryl- und zuletzt Ölfarben.

Acrylfarbe lässt sich problemlos über Aquarell auftragen. Bei schwachen Pigmenten kann es vorkommen, dass eine Farbreaktion mit dem Untergrund festzustellen ist. Umgekehrt haftet Aquarell nicht auf Acryl. Dies kann mit einer Schicht Aquagrund umgangen werden. Ähnlich verhält es sich bei Farbstiften und weiche Pastellkreiden. Auch hier muss der Untergrund vorher vorbereitet werden, damit darauf gezeichnet werden kann. Acrylfarbe haftet aber auf Pastell und Buntstiften. Evtl. müssen diese zuerst fixiert werden, damit die Farbe sich nicht bewegt.

Acrylfarbe eignet sich ausgezeichnet als Untermalung. So kann schnell eine farbige Fläche unter der Malschicht aufgemalt werden, die sofort für die nächste Schicht bereit ist. Der Regel entsprechend kann auch mit Ölpastelkreiden über Acryl(-gründe) gezeichnet und gemalt werden. Der Maler Basquiat hat so wunderbare Kunstwerke erzeugt. Umgekehrt sollte keine Acrylfarbe ÜBER eine Ölschicht aufgetragen werden. Die unterschiedlichen Trocknungszeiten führen dann zu Risse in der obersten Farbschicht.

Welche Acrylfarbentypen gibt es?

Im Künstlerbedarf kannst du eine Vielzahl an Acrylfarben kaufen. Und entsprechend ist auch die preisliche Bandbreite. Es stellt sich die Frage: sind diese teuren Farben ihr Geld wert und inwiefern unterscheiden sich die verschiedenen Formen und Marken?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Bastel-, Student- und Künstler-Qualität. Entsprechend nimmt der Preis von einer Qualität zur anderen zu. Vereinfacht kann gesagt werden, dass Bastelfarben mehr Füllstoffe beinhalten und meist aus verschiedenen (günstigeren) Pigmenten bestehen. Das führt dazu, dass die Farbe meist matter und undurchsichtig ist. Zudem kann es beim Mischen manchmal zu Überraschungen kommen, da es sich nicht um reine Pigmente handelt: blau und rot ergibt dann schnell braun! Trotzdem besitze ich ein paar Bastelfarben, da ich diesen kalkigen Effekt manchmal gerne einsetze. Diese Farben sind aber keinesfalls langlebig und können sich über die Zeit farblich verändern! Rico Design führt ein schönes Sortiment an Farben, ich rate hier allerdings vom Kauf von Sets ab.

Die meisten großen Firmen führen Studenten- und Künstlersortimente. Hier sind die Übergänge fließend. Es macht anfangs Sinn sich ein Set z.B. der Lukas Acrylfarben zuzulegen. Weitere günstiger Sets bekommst Du von Reeves oder von Marabu. So hat man die wichtigsten Farben in einer ordentlichen Mischqualität. Im Anschluss kannst Du Dir die Lieblingsfarben zulegen, wobei Acrylfarben unterschiedlicher Marken sich problemlos untereinander mischen lassen.

Für anspruchsvolle Maler kann ich die Golden Paints wärmstens empfehlen. Diese gibt es von pastös bis zu flüssig. Diese begeistern durch ihre Leuchtkraft. Besonders herauszustreichen sind die Open Produkte: diese trocknen langsamer, und bringen somit ähnliche Eigenschaften wie Ölfarben mit.

Farbauswahl

Die Farbauswahl ist bei Acrylfarben riesig: von Metallic, Gold, Neon über Irisierend, alles ist möglich! Die modernen Pigmente werden meist chemisch hergestellt. Dies ist meist günstiger als Pigmente aus teuren Edelsteinen (siehe z.B. Lapislazuli mit 15.000€ pro kg) oder Erden zu gewinnen.

Höherwertige Farben geben meist zusätzliche Informationen an über die Pigmente, die sie beinhalten. Denn die Acrylfarbe unterscheidet sich neben der wahrgenommenen Farbe auch durch ihre Transparenz und Lichtechtheit. Für Künstler ist Lichtechtheit (also die Stabilität der Farbe trotz UV-Lichteinfall über viele Jahre) sehr wichtig. Aber auch Hobbymaler freuen sich, wenn ihre verschenkten Bilder im Laufe der Jahre nicht verblassen.

Beide Informationen sind meist direkt auf dem Behältnis zu finden. Ich habe mir, um die Vielfalt an Farben besser zu überblicken, einen Ordner angelegt. Hier erfasse ich auch die eingesetzten Pigmente. So behalte ich einen Überblick über die Reinheit der Farbe und wie gut sich diese mit anderen Farben mischen lässt.


Farbformen

Ein großer Reiz der Acrylfarben sind die unterschiedlichsten Formen, für unterschiedliche Maltechniken. Acryl gibt es als:

  • Spray oder für Airbrush – ideal, um große Flächen zu bearbeiten
  • Acryllacke, Tinte oder in flüssiger Form– für aquarellähnliche Effekte, Schütttechnik, Pourring oder Lettering
  • Pastös – geeignet für den Pinsel- und Malmesserauftrag
  • Stift –für Zeichnungen und Lettering

Einsatz von Acrylfarben

Kunstbilder

Natürlich denkt man bei Acrylmalerei an Kunst. Malen mit Acryl ist großartig, auch im Bastelbereich, da es auf jedem saugfähigen, nicht ölhaltigen Unterlagen haftet. Dabei stehen der Künstlerin und dem Hobbymaler eine Vielfalt an Techniken zur Verfügung.

  • Mit Spray, Airbrush oder gar Zahnbürste entsteht ein feiner Nebel, der sich fein über die Malfläche verteilt. Insbesondere am Rand der Sprayflächen entstehen spannende Übergänge.
  • Mit den transparenten, flüssigen Acrylfarben kann ähnlich wie mit Aquarellgearbeitet werden: mit Lasuren und Lavuren. Allerdings löst sich die Farbe nicht mehr auf, so dass die Farbübergänge härter sind.
  • Am besten bekannt ist der Pinselauftrag. Dieser ermöglicht es trocken, flächig, punktiert, liniert, etc. zu malen. Hier wird der „richtige“ Pinsel wichtig.
  • Sehr pastöse Farben (oder mit Strukturpaste oder Modelliermasse versetzte Farben) können mit der Spachteltechnik oder auch Impasto-Methode (mit Malmesser oder anderen strukturierenden Materialien) dreidimensionale Effekte erzielen.

Bau & Möbel

Gerne wird Acryllack als wasserlöslicher Lack genutzt, um Holz einzufärben. Auch zum Bestreichen der Wände eignet sich Acryl, allerdings wird diese als mittelmäßig diffussionsoffen bezeichnet. In diesem Fall können Silikat- oder Kalkfarben besser fürs Raumklima sein.

Stoff

Wer schon versucht hat eingetrockneten Farbflecken zu entfernen, wird sich denken, dass sich diese als Stoffmalfarben ideal eignen. Dem ist leider nicht so: beim Trocknen härtet die Farbe so aus, dass diese nach mehrmaliger Wäsche langsam abfällt, oder bleicher wird. Bei Stofffarben handelt es sich meist auch um Acrylfarben, die aber weicher trocknen, um diesem Effekt entgegen zu wirken.

Glas

Glas ist bekanntermaßen sehr glatt. Was aber der Haftung von Acrylfarbe entgegenwirkt, sind potenzielle Fettflecken (bedingt z.B. durch Fingertapser). Darum ist die Behandlung von Glas zu diesem Zweck unerlässlich. Ansonsten steht der Anbringung auf Fenster und Flaschen nichts im Wege.

Malzubehör

Als Malgrund kannst Du für Acryl alles, von Papier, zu Glas über Stein benutzen. Natürlich kannst Du auch Leinwand auf Keilrahmen nehmen. Die Leinwand sollte (falls noch nicht so gekauft) vorher behandelt werden, da diese sonst stark saugend ist. Ich liebe es Malkartons zu nehmen, da diese wenig Platz benötigen.

Neben der Malunterlage sind 1-3 Pinsel sinnvoll. Als weitere Malutensilien brauchst du ein Glas Wasser, evtl. ein Malmesser sowie eine Palette. Dabei will ich kurz eine Nasspalette erwähnen: diese besitzt eine Unterlage, die mit Wasser vollgesogen wird, und ein Deckel, um die Farben vom trocknen zu schützen. Sinnvoll, wenn du gerne deine Farben selbst anmischst.

Je nach Malunterlage kann es Sinn machen, sich eine (Tisch-)Staffelei anzuschaffen. Diese ist sehr praktisch, um größere Acrylbilder zu malen.

Farben selbst herstellen

Hast Du Lust bekommen mit Acryl zu malen? Dann nichts wie los.

Vielleicht willst du sogar Deine eigenen Farben kreieren, und die Konsistenz Deiner Farbe selbst zu bestimmen. Die gute Nachricht ist:  Du kannst relativ einfach, eigene Farben erstellen, denn die Zusammensetzung ist simpel: Du brauchst nur Acrylbinder als Malmittel mit Farbpigmenten und Wasser zu mischen. Diese findest du im Künstlerbedarf unter Acrylbinder oder Medium. Viel Spaß!